RTFM: Wann wurde lesen abgeschafft?
Warum gibt es Bücher, wenn sie doch keiner liest? Warum gibt es lange Artikel über Diplom-, Master- und Bachelorarbeiten, wenn die, die es betrifft sie nicht lesen und zwar bevor es Probleme drei Tage vor Abgabetermin gibt. Warum machen es sich Studenten so schwer und stellen sich damit selbst ein Bein?
Ich kann es mir nicht erklären.
In den Foren tauchen ständig die Fragen nach Seitenzahlen, Überschriftsnummerierung, Inhaltsverzeichnissen und ähnlichem auf. Und zwar immer dann, wenn der Abgabetermin der Arbeiten näher rückt, also am Semesterende und kurz vor Semesterbeginn. Diese Anleitungen gibt es in den Foren, aber es wird nicht danach gesucht, sondern jeder möchte es häppchenweise und nur für sich gelöst haben. Denn lesen ist anstrengend und das Gelesene dann auch noch umzusetzen fast unmöglich.
Man sollte meinen, dass Studenten, die ihre Abschlussarbeiten schreiben, mit ihrem Handwerkszeug (Word) vertraut sind. Denn sie sollten es ja über 6, 8 oder 10 Semester benutzt haben.
Aber jetzt plötzlich geht nichts mehr und wer ist schuld? Word natürlich, wer auch sonst?
Ich weiß, auch dieser Artikel wird nicht gelesen, aber ich schreib ihn trotzdem. Hier die 10 Gebote für eine wissenschaftliche Arbeit mit Word:
- Benutze Word nicht wie eine Schreibmaschine! Word ist eine Textverarbeitung.
Wenn Du nicht weißt, was eine Textverarbeitung ist, lies(?)es z.b. bei Wikipedia nach. Aber zitiere nicht aus Wikipedia, Professoren nehmen das übel. - Frag Dich was eine Formatierung ist und was Formatvorlagen!
Schau nicht bei Wikipedia nach, die reden von etwas anderem. Hier bist Du besser aufgehoben. Problem: Du musst lesen können. - Mach Dir klar, dass Überschriften sich nicht dadurch auszeichnen, dass die Schrift größer und fett formatiert ist!!!
Beschäftige Dich mit dem Erstellen von Formatvorlagen. - Lass Dir von der Fakultät, dem Institut oder Deinem Professor die Vorgaben für wissensschaftliche Arbeiten geben!
Es gibt sie, wenn Dein Professor sie nicht hat, löcher ihn solange, bis er damit rausrückt, wie er die Formatierung haben will. Oder lass Dir von ihm einen Artikel (in elektronischer Form) geben (doch auch Professoren schreiben Artikel, die wahrscheinlich auch keiner liest), den er formatiert hat und schau Dir die Formatierung an. Abschreiben sollte nach Schüler- und Studentenleben ja in Fleisch und Blut übergegangen sein. Und zur Formatierung gehören auch die Fußnoten und die Seitenzahlen. - Schreibe nicht drauf los (siehe 1. Gebot), sondern erstelle eine Dokumentvorlage!!!!
Du weißt nicht was das ist? Ja, dann musst Du lesen. Aber ich helf Dir zu finden, dann musst Du nicht suchen. Suchen ist anstrengend und lenkt Dich vom Wesentlichen ab.
Normal.dotx und andere Dokumentvorlagen
Formatvorlage nummeriert nicht richtig (mit Download)
Dokumentvorlage mit Word 2010 erstellen (mit Download)
Zuviel Lesestoff? Sorry, dabei habe ich mich schon auf’s Wesentliche beschränkt ;-)) - Denke daran auch Deine Dokumentvorlage zu ändern, wenn Du beim Schreiben eine Formatvorlage in Deiner Arbeit änderst!
Es kommt immer mal wieder vor, dass während des Schreibens eine Formatvorlage geändert werden muss oder eine neue hinzukommt, die Du schlicht und ergreifend vergessen hast. Aktualisier dann auch die Dokumentvorlage. - Überforder Deine Helfer nicht, die sich angeboten haben Deine Arbeit zu korrigieren!!!
Lass nicht erst kurz vor Abgabeschluss korrekturlesen. Du wirst Zeitprobleme bekommen. Gib Deine Arbeit kapitelweise an die Helfer, es macht nichts, wenn noch was fehlt. Dann haben auch die Helfer die Möglichkeit, sich ihre Zeit einzuteilen und müssen keine Nachtschichten einlegen, weil sie 100 Seiten am Stück lesen müssen. - Mach während Du arbeitest keine manuellen Seitenumbrüche!!!
Die wirst Du sowieso wieder löschen müssen. Das gehört zum Feinschliff und der erfolgt zum Schluss. - Erstelle Deckblatt, eidesstattliche Erklärung und Verzeichnisse usw. bevor Du zum Feinschliff kommst!
Pflege auch die Korrekturen der Helfer ein. - Vor dem Drucken der Feinschliff!!!
Nimm Dir Zeit dafür. Es wird Dir nichts anderes übrig bleiben, als Deine Arbeit auch selbst zu lesen. Überprüf nicht nur das Layout, sondern auch den Inhalt, es wäre doch schade, wenn z.B. das Eingangszitat fehlt, auf das Du Dich im Text ständig beziehst. Und wenn sowas, erst nach dem Drucken der Arbeit auffällt wird es teuer.
Klingt alles nach Arbeit? Stimmt, das Schreiben einer wissenschaftlichen Dokumentation ist Arbeit. Aber wer diese Gebote befolgt, der ärgert sich zumindest nicht mehr mit Formatierungen rum und kann sich auf das konzentrieren, was wichtig ist. Den Inhalt.
Ein gutes und lesbares Layout hebt die Note, auch wenn mir das keiner glaubt, der tatsächlich bis hierher gelesen hat. Oder wissen die, die bis zum Schluss gelesen haben sowieso schon, wie eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben wird?
Author: Ursula Eilers





Hallo Amethyst,
Deine Auflistung und die damit verbundene Arbeit ehrt Dich. Aber mal ehrlich. Hast Du auch nur die leiseste Ahnung, wie es an deutschen Unis zugeht? Was die Doktoranden neben dem Schreiben ihrer Doktorarbeit noch alles für ihr Geld leisten müssen?
Wie kommst Du auf die Idee, dass diese bereits seit mehreren Semestern in Word arbeiten? Du kannst nicht von Deinen Töchtern auf alle Studenten dieser Welt schließen.
Ein Diplomand ist völliger Neuling an der Uni und kommt oftmals erst beim Schreiben seiner Diplomarbeit mit Word in Berührung. Das mag bei kaufmännischen Studien wie Betriebs- oder Volkswirtschaft anders sein, aber bei den naturwissenschaftlichen Studien zum Beispiel ist Word absolut nebensächlich. Da muss nämlich erst einmal die Grundlage für die Diplom- oder später auch Doktorarbeit in Form von Forschung gelegt werden, was sehr zeitintensiv ist.
Und dann kommt die Zeit der Diplomarbeit. Meist stehen dafür nur wenige Wochen zur Verfügung. Dann muss der Student erst einmal lernen, seine Forschungsergebnisse in Worte zu fassen. Und damit hat er meist schon genug zu tun. Dazu kommen die Zitate, die ja auch zusammengesucht und ins richtige Format gebracht werden müssen. Auch das ist für die meisten Studenten Neuland. Zumal es eine Unmenge an Zitierstilen gibt. Jede Uni und oftmals jeder Studienzweig hat da andere. Word ist dann in der Tat absolut nebensächlich, wird wirklich meist wie eine Schreibmaschine benutzt und der Student freut sich über jede Hilfestellung, die er irgendwoher kriegen kann. Denn zum stundenlangen Suchen in den Foren und Lesen von jedweden Ergüssen hat er auch nicht unbedingt Zeit.
Bei den Doktoranden sieht es noch anders aus. Sie haben einen auf drei Jahre befristeten Arbeitsvertrag (halbe Stelle) mit der Uni oder Fachhochschule. Aber mit vier Stunden pro Tag kommen sie wahrlich nicht hin. Denn zu den oben für die Diplomanden aufgezeigten Tätigkeiten muss, z.B. für den naturwissenschaftlichen Bereich, weiter geforscht werden. Dazu kommt noch, dass viele Doktoranden dafür hergenommen werden, in der Lehre und/oder bei praktischen Arbeiten (z.B. Exkursionen) zu helfen, wozu auch die Korrektur von Klausuren gehört. Sie müssen, wenn sie ein Bachelorstudium absolvieren, einige Teile ihrer Doktorarbeit vor der Abgabe derselben in internationalen Zeitschriften veröffentlichen, sonst werden sie gar nicht erst zur Promotion zugelassen. Sie müssen den Professoren ihres Arbeitskreises bei deren Publikationen mit Auswertungen, Grafiken, Diagrammen, etc. zur Hand gehen.
Das ist bei weitem nicht alles. Und da glaubst Du wirklich, dass die Studenten noch die Zeit finden, sich mit Dokument- und/oder Formatvorlagen auseinanderzusetzen? So wünschenswert das auch wirklich wäre, aber die sind hier der falsche Ansprechpartner. Die richtigen wären die Professoren, die ja in ihren Arbeitskreisen dafür sorgen könnten, dass die Diplomanden/Doktoranden bei ihrem Antritt eine ordentliche Dokumentvorlage mit den gewünschten Formatvorlagen vorfinden. Aber die haben daran kein Interesse.
Und glaub mir, ich weiß wovon ich rede. Ich habe zehn Jahre an einer großen deutschen Universität gearbeitet, hatte direkten Kontakt mit Diplomanden und Doktoranden und kurz vor Abgabe der jeweiligen Arbeiten oftmals einiges an Freizeit geopfert, um den armen Kerlchen zu helfen, die mit den Formatierungen völlig überfordert waren.
In diesem Zusammenhang stellt sich mir dann auch die Frage, wozu es Foren gibt. Es wird ja keiner gezwungen, auf die Fragen der Studenten zu antworten, wenn ihm die hundertste Frage zu gemischten Seitenzahlen zu profan erscheint.
Gruß Fussel
P.S.: Diese Antwort hatte ich im Forum verfasst, welche aber erst noch freigeschaltet werden muss. Da ich aber nicht weiß, ob das gemacht wird, hier nochmals dieselbe Antwort.
Hallo Fussel,
warum sollte ein Forum einen Beitrag nicht freischalten? Es gibt in Deutschland doch die freie Meinungsäußerung und als solche ist auch mein Artikel zu sehen.
Der Autor ist übrigens Ursula Eilers. Ich könnte auf diesen Kommentar vieles erwidern, ich beschränke mich aber darauf, Dir zu sagen, dass ich sehr wohl weiß, worüber ich schreibe. Nicht nur, dass ich selber mal eine Diplomarbeit (eine naturwissenschaftliche) geschrieben habe (leider noch auf der Schreibmaschine), nicht nur, dass ich eine ganze Weile an Universitäten gearbeitet habe (im naturwissenschaftlichen Bereich), sondern ich habe, warum auch immer, auch Kontakt zu Diplomanden und Doktoranden aus allen Bereichen. Im Moment erhalte ich gerade Anschaungsunterricht bei einer Chemikerin, die im Begriff ist, Ihre Diplomarbeit zu schreiben.
Du irrst, wenn Du glaubst, dass sie erst jetzt mit Office konfrontiert wird. Es gibt Laborprotokolle, es gibt Präsentationen und Vorträge die gehalten werden müssen usw usw. Und diese Chemikerin ist keine Ausnahme, sonder eine von vielen Naturwissenschaftlern, die so arbeiten. Und eine von vielen, die sich ihr Studium selbst finanzieren muss, also wirklich nicht viel Zeit hat, deshalb arbeitet sie mit Dokumentvorlagen, es reicht ja, sowas einmal zu erstellen.
Studenten sollten sich meiner Meinung nach eben rechtzeitig genau mit diesen Fragen beschäftigen, denn die Zeit, die sie da investieren, holen sie locker beim Schreiben der Arbeit wieder rein.
Zu Deiner Frage, wozu denn Foren da sind. Sie sind sicherlich dazu da Lösungen auf Fragen zu bekommen, nur wenn die Lösungen schon da sind und und darauf hingewiesen wird, dann ist man doch erstaunt über eine Antwort wie: “Dann werd ich mir das mal in den nächsten Semesterferien anschauen (es sind grad Semesterferien)”.
Im übrigen werde ich auch zum 9999. Mal Fragen zu Diplomarbeiten beantworten, wie ich das schon seit Jahren tue.
Gruß Ursula Eilers
Hallo Fussel,
ich stimme Dir zu, Studenten haben wenig Zeit (auch wenn mein eigenes Studium inzwischen schon etliche Jahre zurückliegt). Aber sie sind keine unbeschriebenen Blätter – oder geben sie alle Referate, Seminararbeiten, etc. handschriftlich ab? Erfahrung mit Word wird also vom ersten Semester an aufgebaut. Und sollte zu Anfang des Studiums, wenn man noch etwas mehr Zeit hat, auf eine solide Basis gestellt werden. Dokument- und Formatvorlagen sind doch keine Schikane, sondern eine enorme Arbeitserleichterung (wenn man das Prinzip einmal verstanden hat).
Viele Grüße
Ute
[...] sind auch die Studenten nicht unschuldig. Vor einiger Zeit veröffentlichte das MS Office Magazin einen ironischen Artikel zu dieser Misere, der stark kontrovers diskutiert wurde. Vor allem die Studenten waren beleidigt. Sie hätten doch [...]