Unspektakuläre Pressekonferenz zum Office 2010 Consumer Launch
Es war wohl die unspektakulärste Pressekonferenz zu einem Microsoft Kernprodukt, die ich jemals erlebt habe (nicht live, sondern per Webvideo). Während ich das Video sah, dachte ich ständig “Stell Dir vor Office 2010 ist da und keiner geht hin”. Aber die Befürchtung habe ich nicht erst seit dem Video. Einen Vergleich zwischen der Einführung von Office 2007 und der Einführung von Office 2010 gewinnt für mich eindeutig Office 2007. Aber Office 2007 ist seit heute gestern.
Zurück zur heutigen Pressekonferenz. Sie stand unter dem Motto “Aufschlag Office”. Aufschlag? Sind wir beim Tennis? Nein, beim Beachvolleyball. Dementsprechend wurden die Journalisten dann auch ins beach 38° in München eingeladen. Mir persönlich (ok ich habe weder BWL studiert, noch bin ich besonders sportlich) erschließt sich der Zusammenhang mit Office 2010 nicht wirklich, vielleicht weil ich Office-Profi und kein Marketingstratege bin.
Sprecher der Pressekonferenz waren:
Ralph Haupter, Vorsitzender der Geschäftsführung, Microsoft Deutschland
Christian Mehrtens, Direktor Business Group Information Worker, Microsoft Deutschland
Uwe Neumeier, Geschäftsführer für den Einkauf und Vertrieb, Actebis Peacock
Die Pressekonferenz dauerte eine Stunde und war in drei Teile gegliedert wie ein Schulaufsatz.
- Einleitung, ca. 20 Minuten (Ralph Haupter)
- Demonstration Office 2010, ca. 30 Minuten (Christian Mehrtens)
- Abschluss (Ralph Haupter und Uwe Neumeier)
Einleitung
Es sei noch einmal betont, dass ich diese PK nur per Video sehen und hören konnte, daher sagte mir die Einleitung von Herrn Haupter über Sand in den Schuhen , dass die Anwesenden wohl durch Sand den Konferenzraum erreicht hatten. Aber ich wußte ja, wo die PK stattfand, andere dürften die Zusammenhänge nicht durchschaut haben.
Es ist selbstverständlich, dass der Geschäftsführer eines Unternehmens die Vorzüge eines neuen Produktes hervorheben muss. Aber ein wenig mehr Feuer und Begeisterung für Office 2010 hätte ich mir schon gewünscht. Und völlig schockierend war für mich die Erkenntnis, dass es Microsoft Kunden und Consumer gibt, zumindest wenn ich den Worten von Herrn Haupten glauben darf.
Wir sind heute 4 Wochen nach dem Kundenlaunch und wollen mit Ihnen heute unsern Launch des Office Zwanzigzehn Produktes für die Consumer feiern, celebrieren, beginnen.
Originalzitat Ralph Haupter vom Anfang der Pressekonferenz am 15.06.2010
Das war mir neu, völlig neu. Consumer zu Deutsch Verbraucher (gemeint sind die Privatanwender) sind also keine Kunden? Sind alle Office-Nutzer, die keine Volume-Licence besitzen, aber von Windows über Office bis hin zu den Einzellizenzen Project und Visio, Expresssion usw. dann keine Kunden? Hier habe ich Erklärungsbedarf Herr Haupten. Ich fühle mich durchaus als Kunde und halte jeden, der ein Office-Produkt für einen Kunden von Microsoft, auch wenn er das Produkt bei einem Händler kaufe.
Für Microsoft gibt es (siehe Folie links) 2 Gruppen von Anwendern:
- Businessanwender
- Privatanwender
Für den Businessanwender gibt es den Exchange-Server, den Sharepoint und andere Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Kollegen. Für den Privatanwender gab es keine dieser Möglichkeiten. Diese Lücke soll jetzt mit Windows Live und Skydrive zu einem kleinen Teil geschlossen werden. Es ist nur ein kleiner Teil, denn Exchange-Funktionalitäten wird es für den Privatanwender weiterhin nicht geben, es sei denn er sucht sich einen Provider, der Exchange webbasiert anbietet und bezahlt für diese Funktionen (was nicht so ganz preiswert ist).
Was also bietet Office 2010 mit Skydrive dem Privatanwender, was er bisher nicht hatte? Skydrive? Nein, Skydrive gibt es schon seit Office 2007. Zusammenarbeit mit anderen an gleichen Dokumenten? Nein, das gab es auch mit Office 2007 schon mit dem Office Live Workspace. Was es nicht gab, waren die Office Web Applications kurz Office Web Apps genannt. Diese Online Web Apps ermöglichen in Verbindung mit Skydrive auch Privatusern eine (sogar gleichzeitige) Bearbeitung von Officedokumenten.
Ralph Haupter zeichnete dann ein Szenario, das der Laie wahrscheinlich nicht hinterfragt hat, der Office-Profi aber sehr wohl. Er sprach von einer durchgängigen Erlebniswelt. Es hat ihm wohl niemand gesagt, dass Office 2010 auch für Privatuser kein Spielzeug, sondern ein Werkzeug ist und dass es auch unter den Verbrauchern Freiberufler und Selbständige gibt, die Office ausschließlich beruflich einsetzen. Diese Kunden wollen mit Office arbeiten und nichts erleben. Schlagworte wie Office wird zu einem Cockpit sagen nichts über die wirklichen Neuerungen aus und die gehören in eine Pressekonferenz zur Einführung eines neuen Produktes. Und wenn dann der Chef des Hauses Microsoft Deutschland dann auch noch Office-Pakete mit Office-Anwendungen verwechselt, würde ich am liebsten aufstehen und gehen oder das Video abschalten.
Wir stellen Office als Web Application zur Verfügung und zwar alle Office Pakete. Excel, PowerPoint, Word alle Office-Pakete als Web Application zur Verfügung.
Originalzitat Ralph Haupter nach 3 Minuten der Pressekonferenz am 15.06.2010
Herr Haupter, zum Verständnis, Office Pakete sind Office 2010 Home and Student, Home and Business und Professional. Fast alle enthalten mehr Anwendungen, als die in den Web Apps zur Verfügung gestellten. Was zur Verfügung gestellt wird, sind die Anwendungen aus dem Office-Paket Home and Student, Word, Excel, PowerPoint und OneNote. Und die Web Apps sind kein Ersatz für die Desktop-Anwendungen, denn sie enthalten längst nicht alle Funktionen der Desktop-Anwendung.
Ich habe weiter zugehört, aber innerlich abgeschaltet. Alles was dann kam, hatte mit dem neuen Office nur noch sehr entfernt zu tun.
Das einzige was noch interessant war, die Erwähnung der multimedialen Funktionen, die Office 2010 wirklich in großem Stil bietet. Auch die Möglichkeit von überall her auf Daten über Skydrive zugreifen zu können. Was nicht gesagt wurde, dass es für den Upload auf Skydrive massive Einschränkungen gibt, der darf nämlich nicht größer als 50 MB sein. Da wird es dann schon eng bei einer größeren Präsentation mit mehreren Videos.
Die vorgestellte Präsentation zur Fußballweltmeisterschaft über Skydrive dürfte für die meisten Zuschauer nicht nachvollziehbar sein. Ich habe mit Google gesucht und bin fündig geworden. Die Seite heißt:
Das erwähnte Quiz wurde dann im Präsentationsmodus gezeigt, allerdings dürfte es für Laien nicht so einfach sein, diesen auch wirklich zu finden. Probieren Sie es einfach selbst.
Mit dieser Demonstration war die Einführungsrunde nach 20 Minuten zuende und ich gebe zu, ich habe aufgeatmet. Die Demonstrationen von Christian Mehrtens versprachen interessanter und auch fehlerfreier zu werden.
Demonstration Office 2010
Christian Mehrtens begann womit Ralph Haupten aufgehört hatte, mit der Demonstration von Skydrive und den Web Apps. Es ging wieder um die Fußballweltmeisterschaft 2010 (warum eigentlich nicht um Volleyball?) und um ein Tippspiel in Excel.
Sehr interessant war, und für mich auch neu, dass es in der Excel Web App möglich ist, gemeinsam an ein und derselben Tabelle arbeiten kann.
Weiter demonstrierte Christian Mehrtens OneNote Web App, das für viele Officenutzer immer noch sehr unbekannt ist. Er öffnete z.B. ein Notizbuch mit Rezepten, das von mehreren Personen bearbeitet werden kann. Die Notizbücher können mit dem Desktop-PC sychronisiert werden.
Ein weiterer Abschnitt der Demonstration betraf Windows mobile für das Smartphone. Auch hier ist das Arbeiten mit den Web Apps möglich.
Dann ging es endlich zu dem Produkt, um das es ja beim Launch in erster Linie gehen sollte. Office 2010 – Die Software. Zunächst einmal öffnete Christian Mehrtens in Word ein Dokument und zeigte den wirklich gelungenen und neuen Navigationsbereich (früher Dokumentstruktur) in Word 2010. Hier demonstrierte er u.a. auch die neue Suchfunktion in einem Dokument.
Danach wurde ein Bild in das Dokument eingefügt unddemonstriert, wie man bei Bildern Objekte vom Hintergrund lösen (freistellen) kann.
Auch auf den neuen Backstage in Word ging Christian Mehrtens ein.
Dann wechselte er zu PowerPoint um ein Fotoabum in PowerPoint zu erstellen. Diese Funktion ist übrigens nicht neu. Neu ist allerdings, dass auch ein Video in ein solches “Fotoalbum” eingefügt werden kann. Und dieses Video kann geschnitten und auch noch weiter bearbeitet werden. Die gesamte Datei kann mit allen Medien kompremiert werden, auch ein neues Feature in PowerPoint 2010.
Neu ist auch eine Bildschirmpräsentation per Email als Link zu versenden. Oder aus einer Präsentation ein Video zu erstellen, das sogar mit Ton honterlegt werden kann.
Outlook war das nächste Thema und hier ging es einmal um die neue Möglichkeit Email-Unterhaltungen zu bündeln und aufzuräumen, um Postfächer kleiner zu halten. Und die Möglichkeit über Outlook und zusätzliche Connectoren (Windows Live, LinkedIn, Facebook, Xing ab Juli) mit den sozialen Netzwerken zu kommunizieren.
Ich hätte mir trotz der sehr guten Demonstration von Christian Mehrtens mehr zu Office 2010 und weniger zu den Web Apps gewünscht, denn Office 2010 hat sehr viel mehr zu bieten, als gezeigt wurde.
Abschluss
Herr Haupter betrat die Bühne und war begeistert. Schön, aber hat er das alles vorher noch nicht gewußt? Er betonte wieder, wie wichtig diese Neuerungen für die Freizeit sind.
Ich bin begeistert. Ich hoffe, Sie haben ein bißchen gemerkt, welchen Enthusiasmus wir haben, was man mit den Produkten alles machen kann und zwar nicht nur in dem harten Berufsleben, sondern vor allem in der tollen Freizeit, wo ja viele Dinge auch gefordert werden.
Originalzitat Ralph Haupter nach 54 Minuten der Pressekonferenz am 15.06.2010
Doch dann kam es zum Wesentlichen. Dem Verkauf von Office 2010.
Und hier gibt es eine wesentliche Neuerung. Neue PCs werden ab sofort mit vorinstalliertem Office 2010 ausgeliefert. Dieses vorinstallierte Office ist die kostenlose Starter-Version mit Word und Excel, allerdings sind nicht alle Funktionen verfügbar. Wer diese Starter Edition zu einem Office-Produkt umwandeln will, der kann das künftig mit der Product Key Card (PKC) tun.
Dieser Schlüssel gilt nur in Verbindung mit einem neu erworbenen PC mit vorinstalliertem Office 2010. Nachteil: Es gibt nur eine Lizenz, anders als bei der Boxversion, die daher auch wesentlich teurer ist. Leider wurde das so deutlich nicht gesagt und für mich ist diese Information zwingend.
Auch zu den Preisen wurde etwas gesagt, aber das waren natürlich die UVP (unverbindliche Richtpreise). Hier lohnt sich die Online Recherche bei den Händlern und nicht unbedingt der Weg zum Microsoft Store.
Mit einem nicht sehr ergiebigen Kurzinterview mit Herrn Uwe Neumeier endete diese nicht sehr spektakuläre Pressekonferenz. Leider wurden im Video den Zuschauern der Fragen- und Antworten-Komplex vorenthalten und ich hätte sicher einige Fragen gestellt.
Mir fehlte der Hinweis auf die Technologie Garantie und darauf, dass es ab heute auch alle Testversionen von Office 2010 gibt. Das hole ich hier mit ein paar sicher sehr informativen Links nach:
Author: Ursula Eilers




